9. September 2026 · 1 Min. Lesezeit
Wo liegt die Grenze bei der Produktretusche?
Retusche soll ein Produkt korrigieren, nicht ersetzen. Die Grenze setzt der Moment, in dem der Kunde es in der Hand hält.
Retusche ist in der Produktfotografie unvermeidlich: Sensorstaub, eine unerwünschte Spiegelung, ein Fleck auf der Hohlkehle im Studio, ein Farbstich. Das sind eher Fehler des Shootings als des Produkts, und dass man sie behebt, wird erwartet.
Die Grenze liegt dort, wo Korrigieren zu Verändern wird. Eine Portion beim Essen größer machen, einen Makel in der Textur ganz tilgen, Farbe auf eine Sättigung ziehen, die das Produkt nie hatte – alle drei versprechen ein Produkt, das der Betrachter beim Kauf nicht vorfinden wird. Auch rechtlich bewegt man sich hier nicht im leeren Raum: Eine Bilddarstellung, die Verbraucher irreführt, fällt unter die Werberegeln.
In der Praxis funktioniert ein einfaches Kriterium: Lässt sich das fotografierte Produkt neben das verkaufte stellen? Wenn ja, ist die Retusche eine Korrektur. Wenn nicht, ist die Arbeit eine Illustration und sollte auch so heißen.
Technisch macht nicht die Retusche den größten Unterschied, sondern das Shooting. Das richtige Licht, der richtige Hintergrund und das richtige Objektiv ersparen die meisten Stunden, die sonst danach anfallen. In der Foodfotografie gehört die Frische des Tellers in dieselbe Kategorie: Das Gericht leidet, während es wartet, und Retusche kann das nicht zurückholen.
Zum Schluss die Dateidisziplin: Arbeiten mit Ebenen hält jede Korrektur umkehrbar. Zurückgehen zu können, wenn der Kunde sagt „Die erste Version war besser“, ist der praktischste Nutzen der Retusche.
